Interview

Steckbrief

Name: Miriam Müller
Alter: 30
Beruf: selbständig
Youtube: schoolseasy
Profitipp: Wenn du etwas verstehen willst, erkläre es jemand anderem.

Wie bist du dazu gekommen YouTube Videos zu drehen?

Als ich auf dem Abendgymnasium war, habe ich spät abends gelernt. Wenn da Fragen aufgekommen sind, konnte ich niemanden anrufen und um Hilfe bitten. Leicht verständliche Videos im Internet konnte ich keine finden und so entschloss ich mich kurzerhand dazu, selbst welche zu erstellen.

Welche Fächer machen dir am meisten Spaß? Welche weniger?

Es sind weniger einzelne Fächer als vielmehr einzelne Themen. Ein Mathevideo mit Brüchen zu erstellen, ist technisch immer recht aufwendig, da ich den Bruch nicht einfach als solchen eingeben kann, sondern im Grunde eine Grafik erzeugen muss. Videos dazu, wie man Erörterungen schreibt oder Inhaltsangaben aufbaut, sind hingegen schwierig grafisch darzustellen. Aber am Ende mache ich Mathe doch am liebsten.

Für welches Thema brennst du?

Ich mag Mathe tatsächlich auch privat sehr gerne. Man kann es gut erklären und sich meist selbst kontrollieren. Aufgaben lassen sich erfinden, lösen und via Taschenrechner oder einer Proberechnung korrigieren. Das gefällt mir wirklich gut. Dass man mit Mathe so unheimlich viel anstellen kann und es auch noch Spaß macht, wenn man es verstanden hat, macht es nur noch besser.

Wenn du eine Sache am deutschen Schulsystem ändern könntest, was wäre das?

Ich würde die Schulpflicht durch eine Bildungspflicht ersetzen. Statt unbedingt in der Schule lernen zu müssen, sollte viel mehr Wert auf den Inhalt gelegt werden. Woher ein Schüler sein Wissen hat, spielt keine Rolle. Viel wichtiger ist, DASS er es hat. Ein Test zum Abschluss eines Themas ermöglicht es, dieses Wissen festzustellen. Ob nun aber der Lehrer, der Nachbar, ein gutes Buch oder das Internet dieses Wissen vermittelt, könnte unwichtiger nicht sein. Auf diese Weise kann man so viele Probleme lösen. Es wäre egal, woher ein Kind kommt, ob es wohlhabend ist oder nicht, ob es lieber Mathe oder Englisch lernt, ob es Lernschwierigkeiten hat und so weiter. Am Ende eines jeden Themas schreibt es an einer zugelassenen Institution einen Test und erhält bei Bestehen die Bescheinigung, dass es dieses Thema ausreichend verstanden hat. Wie lange es dafür gebraucht hat, wann es den Test macht und woher das Wissen stammt, spielt für das Endergebnis keine Rolle.

Wieso ist Mathe so unbeliebt? Wie kann man das ändern?

Ich denke das liegt daran, dass viele Schüler Mathe einfach nicht verstehen. Die Logik hinter den Zahlen und Rechnungen ist häufig nicht klar. Vielmehr lernt man in unzähligen Wiederholungen den immer wiederkehrenden Ablauf. Kaum dass jedoch ein neues, ähnliches Thema an der Reihe ist, scheint man wieder ganz von vorne beginnen zu müssen. Das ist frustrierend. Ändern könnte man das, indem man mehr Zeit in der Schule dafür bekäme, die Logik zu verstehen. Dass eine Gleichung wie eine Waage ist, die sich immer in der Schwebe hält, wissen die meisten Schüler nicht. Dabei hilft dieses Bild hervorragend dabei, zu verstehen, wie man Gleichungen löst.

Wie kann einem Mathe im Alltag helfen?

Wenn man von der Mathematik der Oberstufe absieht, so umgibt uns Mathe ständig. Beim Einkauf, auf den es 20% Rabatt gibt, beim Streichen einer Wand, bei der Steuererklärung und sogar in der Küche. Mathe ist einfach überall. Vor allem in diesem Interview. Ohne die Rechenleistung des Prozessors könnte es niemand lesen.

Schoolseasy

Welches Fach wird in der Schule nicht unterrichtet, sollte aber?

Es fehlt definitiv ein Lernfach. Ein Fach, in welchem man lernt wie man lernt. Es gibt allerdings schon Schulen, die Kurse darin anbieten, doch in meinen Augen ist das nicht genug. Im Grunde ist das so, als würde man einem Erstklässler einen Stift und ein Papier in die Hand drücken und erwarten, dass er jetzt von selbst das Schreiben lernt. In der Schule lernt man nicht, wie man lernt. Man soll es einfach können.

Ist man nach der Schule gut fürs Leben vorbereitet?

Das kommt auf die Schule an. Wer ein Gymnasium besucht hat, ist vor allem auf das Studium vorbereitet. Auf das Leben nicht besonders. Real- und Hauptschulen legen bedeutend mehr Wert auf das Leben nach der Schule. Aber auch hier gibt es Luft nach oben. Ein bisschen weniger Detailwissen in Mathe, Bio, Geschichte und Co. und stattdessen ein zweistündiges Fach „Leben“ wäre sicher keine schlechte Idee.

Wie schafft man es sich richtig zu motivieren?

Indem man sich Ziele setzt, sich belohnt, wenn man diese erreicht hat und sich vor Augen führt, wofür man den Schulstoff brauchen kann.

Lernen für eine Klassenarbeit – welcher Tipp hilft immer?

Keine Ablenkung! Kein Smartphone auf dem Tisch, kein eingeschalteter Computer, keine Musik, keine Geschwister, Eltern, Freunde, die ins Zimmer kommen, keine Kleinigkeiten, deren Anblick zum Abschweifen verleiten. Nur der Schüler und der Schulstoff.

Wie stehst du zur Jugendsprache?

Ich muss zugeben, ich bin kein Fan davon. Schon als Jugendliche war sie mir suspekt. Das dürfte wohl daran liegen, dass sie häufig recht respektlos klingt, aber nicht unbedingt so gemeint ist. Gerade Schimpfwörter werden heutzutage in allen möglichen Situationen und für jede erdenkliche Person benutzt. Es will mir nicht in den Kopf, warum das sein muss. Aber auch harmlose Wörter leuchten mir oftmals nicht ein. Dennoch gehört es zum Aufwachsen dazu. Solange die Jugendsprache keine Überhand gewinnt und nicht zu respektlos ist, finde ich sie in Ordnung.

Was macht für dich einen gute/n Lehrer*in aus?

Ein guter Lehrer ist streng, lässt sich nicht auf der Nase herumtanzen, setzt sich durch und kennt sich in seinem Fach aus. Er ist aber nicht kaltherzig und unfair, sondern hat ein offenes Ohr, nimmt sich Zeit für die Probleme der Schüler und ist bereit, ein Thema mehrfach zu erklären, wenn es nötig ist. Er behandelt seine Schüler mit Respekt und hat Verständnis dafür, wenn sie mal einen schlechten Tag haben.

Was ist für dich ein guter Ausgleich zur Schule?

Hobbys sind immer gut. Welche das sind, hängt natürlich vom Schüler ab. Ich habe einige Jahre Fußball gespielt, was ein guter Ausgleich war. Aber auch Freunde sorgen für Ausgleich - sofern man sich mit ihnen nicht immer nur über die Schule unterhält.

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