Quetschies – Gesundes Fruchtpüree oder Zuckerbombe?

Der heutige Beitrag ist ein Gastbeitrag von Martin Auerswald. Martin ist studierter Biochemiker und klärt auf SchnellEinfachGesund und Primal-State gerne über verbreitete Mythen über gesunde Ernährung auf. Er möchte gesunde Gewohnheiten vermitteln, die nach und nach einen gesunden Alltag aufbauen.

Was sind Quetschies?

Quetschies bezeichnet eine Reihe von Produkten, bei denen Obst in Fruchtpürees konzentriert und in Quetschbeuteln verpackt wird. Diese Quetschbeutel können von Kindern einfach geöffnet und trotz der dickflüssigen Konsistenz leicht geschlürft und gequetscht werden.

Sie werden unter verschiedenen Marken angeboten, z. B. die „Frechen Freunde“ oder „Mogli“. Allen ist gemein, dass Kindern im Alter von 2-10 auf unterhaltsame und lustige Weise Obst und je nach Produkt auch Gemüse nähergebracht werden soll.

Obst für Kinder - Auf jeden fall!

Dass Obst und Gemüse die Grundlage einer gesunden Ernährung ausmachen sollten, steht außer Frage. Obst für Kinder, bestenfalls aus Bio-Qualität, ist eine reichhaltige Quelle für zahlreiche Vitamine, Mineralstoffe, Antioxidantien und Ballaststoffe.

Studien zeigen immer wieder, wie wichtig saisonales und frisches Obst in der Ernährung ist. Für Kinder ist es deswegen so wichtig, weil in den frühen Jahren Gewohnheiten und Geschmacksvorlieben ausgeprägt werden, die bis in das Erwachsenen-Alter bestehen bleiben.

Die stetig steigenden Zahlen der von Diabetes, Bluthochdruck, Autoimmunerkrankungen und entzündlichen Erkrankungen betroffenen Menschen zeigt, dass Aufklärung über gesundes Essen bereits im Kindesalter beginnen sollte.

Doch die Frage, ob Quetschies in dieser Rechnung einen Platz bekommen sollten, bleibt noch offen. Im Folgenden sollen die Vor- und Nachteile diskutiert werden:

Was sind die Vorteile von Quetschies?

Beginnen wir mit den Vorteilen der Quetschies. Sollten sie einen festen Platz in unserer Esskultur einnehmen und Kindern standardmäßig angeboten werden?

  • Bio-Qualität
  • Obst + Gemüse
  • Optisch ansprechend
  • Obst und Gemüse als Gewohnheit etablieren
  • Nährstoffe

Die umsatzstärksten Produkte wie die „Frechen Freunde“ werden in Bio-Qualität angeboten. Die Belastung mit Pestiziden und Herbiziden ist gering bis nicht vorhanden. Außerdem wird nachhaltige Landwirtschaft gefördert.

In einigen Produkten wird nicht nur Obstpüree, sondern eine Mischung mit Gemüse, wie Karotten und Kürbis, angeboten. Da Kinder tendenziell noch weniger Gemüse als Obst essen, ist das eine gute Idee.

Optisch machen die Quetschies meist einiges her und sprechen besonders Kinder an. Der Fokus könnte so von süßen Riegeln und Schokolade hin zu Fruchtpüree’s gelenkt werden. Markenbewusstsein und Aufmerksamkeit ja – aber für Obstpüree statt für Energieriegel.

Kinder sollten von klein auf mit gesunder Ernährung in Kontakt kommen. Quetschies bestehen aus Obst und Gemüse nahezu in Reinform. Dies könnte Kindern von klein an als gesunde Gewohnheit ausgeprägt werden.

Einige Nährstoffe sind in dem süßen Obstbrei trotz Verarbeitung enthalten. So enthält jeder Quetschbeutel mit Obst und Gemüse deutlich mehr Ballaststoffe als im Vergleich ein Schokoriegel.

Was sind die Nachteile von Quetschies?

Auf den ersten Blick sind die Quetschies ein süßer und gesunder Snack für Kinder. Auf den zweiten Blick und mit ein wenig Internetrecherche werden Stimmen laut, nach denen die Fruchtpürees wieder abgeschafft werden sollen. Sogar eine Petition gegen die Produkte ist auf Ökotest.de zu finden.

Was sind mögliche Nachteile der Quetschbeutel?

  • Viel Plastik
  • Pasteurisiert
  • Kariesgefahr
  • Fruchtzucker
  • Verarbeitet
  • Gesunde Gewohnheiten

In einer Welt, in der Ressourcen immer knapper und Umweltbelastungen immer ausgeprägter werden, sollte der Plastikkonsum reduziert werden. Jeder Quetschbeutel mit etwa 100 Gramm Inhalt weist ein Verpackungsgewicht von 20-30 Gramm auf – zu viel, finden Kritiker. Einen Apfel einfach so zu essen, verbrauche kein Plastik.

Um den Obstbrei so lange wie möglich haltbar zu machen, wird er vor der Abfertigung pasteurisiert. Dadurch gehen viele Vitamine, wie etwa Vitamin C und die wichtige Folsäure, verloren. Netto könnten die Quetschies nicht so vitaminreich sein, wie behauptet wird.

Kritiker weisen auf die Kariesgefahr hin. Diese entstehe durch die Mischung aus Fruchtzucker, Fruchtsäuren und der Quetsch- und Nuckel-Praxis der Quetschbeutel.

Zwar gilt Obst als gesund, aber auch als reich an Zucker. Bei den kleinen Quetschbeuteln besteht die Gefahr, dass Kinder über ihr Sättigungsgefühl hinaus Fruchtbrei verzehren. Da nicht gekaut werden muss, könnte es länger dauern, bis Sättigung eintritt.

In großen Mengen kann Fruchtzucker (Fruktose) die Leber belasten und das Risiko für Stoffwechselerkrankungen wie Typ 2 Diabetes oder Fettleber erhöhen.

Eine gesunde Ernährung charakterisiert sich durch ihren Gehalt an naturbelassenen und unverarbeiteten Lebensmitteln. Bei jedem Verarbeitungsschritt gehen wichtige Nährstoffe verloren, je nach Produkt werden Zusatzstoffe hinzugefügt. Quetschies können nicht mehr als naturbelassen bezeichnet werden.

Kinder schon in frühen Jahren auf Obst und Gemüse zu prägen, ist sehr empfehlenswert. Doch die Fruchtpüree’s entsprechen nur entfernt den ursprünglichen Früchten und Gemüseknollen. Ratgeber empfehlen, Kindern lieber Obst und Gemüse in Reinform auf lustige und unterhaltsame Weise näher zu bringen, als in der Form verarbeiteter und abgepackter Fruchtpüree’s.

Was ist von Quetschies zu halten?

Sie haben durchaus Vorteile, aber auch Nachteile. Jeder kann sich ein eigenes Bild machen.

Einige Stimmen werden sagen, Quetschies „sind immer noch besser als Schokoriegel“, was richtig ist. Dennoch sind die Obstpüree’s nicht gänzlich mit Obst und Gemüse in Reinform oder frisch gepressten Säften vergleichbar.

Was sind nützliche Faustregeln für Eltern beim Thema Kinderessen?

Der Körper eines wachsenden Kindes benötigt in ganz besonderer Weise die wichtigen Nährstoffe aus einer gesunden Ernährung. Außerdem sollten in jungen Jahren viele gesunde Gewohnheiten etabliert werden, die sich bis ins Erwachsenenalter halten.

Zum Abschluss sollen Eltern daher einige Faustregeln erhalten, wie sie ihre Kinder für eine gesunde Ernährung begeistern können und welche Lebensmittel sich besonders für Kinderessen anbieten:

  • Beziehen Sie Ihre Kinder mit ein! Nehmen Sie sie mit zum Einkaufen, lassen Sie sie bei der Zubereitung des Essens mithelfen (etwa beim Gemüse schneiden) und lassen Sie sie mitentscheiden („möchtest du einen Gurkensalat oder einen Karottensalat?“).
  • Gesunde Imitate. Natürlich möchten Kinder Eis, Pudding oder Kekse. Doch anstatt es in verarbeiteter Form zu kaufen, könnten Sie es selbst zubereiten und mit gesunden Zutaten anreichern. Haben Sie zum Beispiel schon einmal gefrorene Beeren und gefrorene Bananen mit etwas Joghurt in den Mixer gegeben? Das Ergebnis ist ein köstliches Fruchteis ohne zugesetzten Zucker!
  • Gehen Sie mit gutem Vorbild voran! Kinder eifern ihren Eltern nach. Wenn Eltern mit gesundem Beispiel vorangehen, wird sich das zumindest teilweise auf die Kinder übertragen.
  • Bezug zur Natur. Nehmen Sie Ihre Kinder am Wochenende mit in die Natur, in den Wald oder auf einen Erlebnisbauernhof. So erhalten die Kinder von früh an einen Bezug zur Natur und den Nahrungsmitteln in Reinform.
  • Immer griffbereit. Haben Sie in der Wohnung immer frisches Obst und Gemüse griffbereit. So kommen die Kinder weniger in die Verlegenheit, Ungesundes zu naschen, und greifen immer mal zu den gesunden Alternativen.
  • Gesund einkaufen. Je mehr unverarbeitete und naturbelassene Lebensmittel im Haus sind desto besser. Frisches Obst, Gemüse, Beeren, Nüsse, Samen, Hülsenfrüchte, Tee, Bio-Eier, Fisch aus Wildfang und Bio-Fleisch sind eine ideale Grundlage für eine gesunde Ernährung.

Wie ist Ihre Meinung zu Quetschies und Fruchtpüree? Haben Sie bereits gute oder schlechte Erfahrungen damit gesammelt? Wir freuen uns auf Ihren Kommentar!

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